Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit lässt sich meiner Meinung nach auch auf die Bereiche: Personalentwicklung, Changemanagment, sowie sämtliche berufliche wie auch private Entwicklungsprozesse ausdehnen.
Was heißt das für mich? Beispiel: eine Kunde wollte vor kurzem eine Personalentwickulngsmassnahme durchführen lassen, obwohl ein anderer Veränderungsprozess noch nicht abgeschlossen war. Es war also noch nicht deutlich geworden, welche Auswirkungen der changeprozess auf das gesamte System haben würde. Einzelne Führungskräfte waren aber davon getrieben, die Veränderung möglichst schnell “über die Bühne” zu bringen und Mitarbeiter zeitnah in neue Positionen zu bringen – auch wenn die jeweiligen Anforderungsprofile noch nicht geklärt waren.
Ich wurde angefragt für rund 10 Coaching Tage. Nach einem ausführlichen Gespräch kam ich zum Schluss, dass es für die Maßnahme zu früh sei und bin auf die Bremse getreten – sehr zu Überraschung des Kunden. “Ich dachte Sie wollen Geschäfte machen”, war die Reaktion. Ich sehe meine Aufgabe in solchen Situationen vor allem darin dem Kunden zu helfen, Prozesse zu verstehen, einschätzen zu lernen und damit auch abzuwägen – selbst wenn ich dabei zunächst “nicht zum Zuge komme”.
In solchen Situationen ein schnelles Geschäft zu wittern widerspricht meinen Vorstellungen von achtsamem Umgang mit den vorhandenen Ressourcen.
Das heißt: Nachhaltigkeit ist eng gebunden an Vertrauen, Loyalität und Integrität, sowie mit persönlichen Wertvorstellungen. Dies verfolge ich auch in meinen Face to Face Coachings.
Beispiel: einen Manager eines weltweit operierenden Unternehmens kam zu mir, weil er sich am Rande eines burn-outs befand. Er kam zum Schluss, er müsse seinen Alltag anders gestalten: Druck rausnehmen, delegieren, sich von liebgewordenen Meetings auf internationaler Ebene verabschieden. Er skizzierte sich einen Aktionsplan. Einziger Haken: beim nächsten ebenso wie beim übernächsten Treffen hatte er nichts davon umgesetzt. Begründung: keine Zeit! Ich war ratlos, und habe ihm gesagt, dass ich mit ihm vermutlich nicht weiterkommen würde. Seine Reaktion: “…. Um mir diesen Blödsinn von ihnen anhören zu müssen, bin ich 650 km gefahren..!?!”. “Ja!”
Ein Coach, der über seine Grenzen redet und auch so handelt, wird leider immer noch als nicht professionell auf seinem Feld empfunden. Nachhaltigkeit heißt hier für mich, ich schone meine, aber auch die Ressourcen meines zahlenden Kunden.

Übrigens, mit diesem Kunden saß ich nach seinem Wutausbruch minutenlang schweigend in meinem Besprechungsraum. Schließlich sagte er ganz langsam: “Sie machen ja etwas, was ich so garnicht kann, sie ziehen ja Grenzen.” Was dann folgte war klasse! Wir haben über den Mut gesprochen, den es braucht, Grenzen zu ziehen, Veränderungen wirklich auf die Strecke zu bringen…und er brachte sie auf seinen Weg!
Ich habe bei dem Thema Nachhaltigkeit immer die Tonnengewölbe etwa in der Krypta einer romanische Kirche vor Augen. Ganz ohne Verbundstoffe und sogar Wartung halten diese Steine aufeinander und überdauern so Generationen. .